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Titellos

Irgendwann um kurz vor drei hast du die Nachricht gelesen. Ich habe es gesehen, denn ich habe im Dunklen des I-nets auf dich gelauert. Geantwortet hast Du nicht. Hatte eigentlich gehofft, das dir, mit Alkohol geschwängertem Hirn, ein paar Zeilen heraus rutschen, aber jetzt gilt selbiges um daran meine Hoffnung festzumachen; Du bist zu betrunken um zu antworten. Natürlich. 

Was, wenn er gar nichts sagt? Dann rede ich nicht mehr mit ihm! So einfach ist das. Und wenn er Dich anspricht? Tue ich so, als ob nichts gewesen wäre. Man kann mir nichts nachweisen, darauf habe ich geachtet. Alles klingt belanglos, ist es aber nicht.

Seit ich beschlossen habe, mit Dir, darüber zu reden, sehen wir uns nicht mehr. Vielleicht treffen wir uns beim Sport am Mittwoch, wahrscheinlich bei der nächsten Lesung, wenn ich heraus bekomme, wann und wo die ist. Also, ich hatte mir schon beim letzten Mal vorgenommen  hinzugehen, das hat nichts mit dir zu tun. Wollte meine Mutter mitnehmen, was ich mir jetzt nochmal überlege, das hat mit dir zutun. Könnte ja sein, das Du danach auch noch nicht ins Bett willst und was um Himmelswillen fang ich dann mit meiner Mutter an.  Also meine Mutter ist klasse, nicht falsch verstehen, aber einfach auch so klasse das ich sie nicht, in einer unbekannten Großstadt, mit den Worte:  Ich gehe mir mit ihm, auf dich zeigend, noch ungefähr so viel Bier trinken bis er in meinem Bett landet und ich vielleicht den Mut habe ihm etwas zu erzählen, stehen lassen kann.

Was ich an dir finde weiß ich selbst nicht. Du bist jung, zu jung, unscheinbar und auch für meine Verhältnisse, das will was heißen, schwierig.  Und du interessierst Dich nicht für mich. Männer die sich interessieren sind irgendwie immer da, sind aufmerksam, rufen an. All das tust du nicht, ich schreibe Dir, du antwortest nicht. Vielleicht wäre es anders gelaufen, hätte ich deine Frage, ob du mir was bedeutest, nicht verneint. Ich glaube aber nicht.  Nein sage ich immer, das Gewohnheit und sonst stimmt sie ja auch, aber das konntest Du nicht wissen. Du hast mir unbewusst etwas geschenkt, aber auch das kannst du nicht wissen. Du hast mich glücklich gemacht. An Deiner Seite war ich einfach nur ICH, nackt und ungeschminkt.

Dass ich mich verliebt habe war nicht geplant. Verliebt habe ich mich auch weniger in Dich, als in das Bild was ich von Dir habe, denn Dich kenne ich nicht. Du bist einfach ein Junge und du warst da. Das mein  Herz überhaupt in der Lage ist, ein solches Gefühl zu empfinden, versetzt mich in nie dagewesene Euphorie. „Verkümmerter Freund und Du schlägst doch noch.“ Wie oft habe ich im Bett gelegen und dem viel zu schnellen Pochen in meiner Brust gelauscht, nicht ohne Angst einer dieser gewaltigen Schläge könnte sein letzter sein. Die Art wie ich lebe ist tödlich. Πόθος Immer da.

Sollte ich nun mit Dir sprechen, beleuchte ich Dir etwas, was dich eigentlich nicht angeht. Muss man sich für ein Geschenk, das man erhalten hat ohne das Mitwissen anderer, wirklich bedanken? Möchte ich, dass Du einen Funken von dem siehst was mich ausmacht. So wirklich meine ich?

                                                                               II

Ich lasse mir von Daniel Brühl aus „Lila Lila“ vorlesen. Daniel hat eine tolle Stimme und ich liebe es, wenn man mir Geschichten erzählt. Geschichten in der Badewanne, Geschichten in der Hängematte, Geschichten im Bett, Geschichten auf Schwedisch im schönen Italien. Wie würdest Du Dein Leben nennen, wenn es als Geschichte einen Titel bräuchte? Wüsstest Du direkt einen oder bräuchtest Du Zeit um diese Frage zu beantworten?

Mein Leben hatte mal einen Titel. Mit 15 gefunden immer noch treffend. Aber wird es nicht Zeit für einen Neuen? Oder geht es hier nur noch um Überschriften, um die Benennung einzelner Kapitel? Bin ich schon zu weit gegangen um umzuschreiben?  Kennst Du das wenn man wie wild eine Datei auf seinem Rechner sucht, ein längst vergessener Teil einer Geschichte der jetzt und zu keinem anderen Zeitpunkt einfließen soll? Ich habe ihn nicht gefunden. Stattdessen habe ich Dir wieder geschrieben. Ein Danke. Du entgleitest mir.

Junge, siehst Du dich als Mann? Ich habe den Eindruck du wartest auf die Prinzessin auf dem weißen Pferd die Dich wachküsst. Bist Du real? Waren wir nicht auch so? Damals? Junge ich bin keine Prinzessin, nicht mehr. Und doch würde ich dich küssen bis die Blätter fallen. Zukunft hat meine Schwärmerei nicht, aber Zeit ist nicht existent nicht da wo ich herkomme, also wen schert schon Zukunft. Was ich will? Was bietest DU?

Du hast mir geantwortet, ob das gut ist wird sich rausstellen. Ich habe in der nächsten Nachricht an Dich nach einer Verabredung gefragt. Jetzt heißt es wieder warten. Naja so ganz stimmt das nicht, ich treffe mich gleich mit einem Mann im Park, einem Mann den ich nett finde, nichts weiter. Warum ich mich treffe wurde ich gefragt, um nicht an Dich zudenken, wäre die Wahrheit. Ich habe Dir vorgeschlagen wir könnten gemeinsam kochen. Du selbst kannst oder willst nicht kochen, gefragt habe ich das nie und so kann ich nur mutmaßen. Es gibt so vieles was ich Dich nicht gefragt habe und doch glaube ich Dich zu kennen. Welch Illusion. Ob Du deinem Bild überhaupt standhalten kannst? Wer bist Du wispere ich leise in den Wind. Eine Frage die ich wohl besser Dir stellen sollte. Wer bist Du? Und warum bringst Du alles durcheinander? Scheiß Warterei! Vielleicht küsst du schlecht, vielleicht bist Du ein grauenvoller Liebhaber. Ich war mal verliebt und als ich es ihm sagte, erwiderte er mein Gefühl. Der erste Kuss und wir standen als Geschwister nebeneinander. Das habe ich nie vergessen, wie so manches. Das Leben beschreibt die weißen Seiten mit dicker schwarzer Tinte und egal was man tut sie scheinen doch immer durch.

Ich werde alt. Nicht uralt aber alt genug um die Wiederholungen zusehen, nichts ist wirklich neu, alles schon dar gewesen. Die schwarze Tinte scheint aufdringlich durchs dünne Pergament. Etwas wirklich neues, dafür habe ich noch nicht den Mut. Eine nächste Generation, eine Arbeit die mehr als ein Job ist, ein Mann bei dem ich mich nicht frage: „Und wenn ein besserer kommt?“ 

Das Alte ist so überdehnt, so ausgeleiert, das es an meinem schmächtigen Körper herunter gleitet. Eine Schlange die sich häutet, ich kann meinen Kopf nicht zurück drehen.

Lange war ich ein Mädchen, zulange. Die Spuren der Zeit graben sich in mein Gesicht, das Gesicht mit den Zügen einer Frau. Deine Arme versprechen zum letzten Mal ein Aufbegehren meiner Kindlichkeit.

Du hast den Glauben noch nicht verloren, ein Vorzug der Jugend. Natürlich glauben auch alte Menschen an etwas. Hoffe ich zumindest, aber sie haben diese wunderbare Märchenmacht, den Glauben alles wäre möglich und hinter jeder Ecke wartet ein Abenteuer, längst verloren.

Ich war Pipi Langstrumpf, ich war Oskar Matzerath, vielleicht auch ein wenig Peter Pan. Die Erwachsenen, die Kinder und ich. Der Preis des Mannwerdens ist die Verdrängung der weiblichen Aspekte, der Preis des Erwachsenwerden ist die Verdrängung der Kindlichkeit. Ich habe gekämpft. Glaubst Du mir? Ich glaube immer noch an Märchen, diese sind mein Beruf oder besser Berufung. Aber ein Kind kann nicht verantwortlich handeln und ich konnte diesen flehenden Blick in den Augen meiner Liebsten nicht ertragen. Wie kann ich mir auf dem Rücken anderer ein Bett bereiten? Ich musste etwas hergeben von dem ich schwor es nie zu verraten.

                                                                           III

Wo bin ich? Innerhalb der Grenzen, lautet die Antwort. Ich fühle diese Grenzen nicht, habe sie nie gefühlt. Manchmal frage ich mich, ob es besser wäre etwas zu verpassen anstatt sich so unwiederbringlich zu verheizen? Wäre ich, ich, wenn ich nachdenkend, abwartend und schonend mit mir umgegangen wäre? Wäre es mir überhaupt möglich gewesen? War es nicht allein das Extrem im Hintergrund das alles im Gleichgewicht hielt, die Welt spürbar machte? Ich glaube in diesem Punkt bin ich Dir nah. Auch hier muss ich glaube schreiben, den du bist mir so fremd wie ein Mensch nur sein kann und doch nicht, weißt Du?

Draußen singen die Vögel, ich kann sie nicht hören aber ich weiß sie sind da.

Ich hatte mal einen Vogel, er saß eines Morgens auf meinem Fensterbrett und sang. Mir gefiel das Tier gar nicht und so ließ ich meine Katze raus. Den Vogel aber wurde ich nicht los, er kam Tag für Tag und sang nur für mich. Mit der Zeit fand ich sein Gefieder immer glänzender, seine Stimme ausdrucksstärker, seinen Gang grazil. Ich ließ mein Fenster offen und er flog herein. Ich gewann ihn lieb und gewöhnte mich so an ihn das ich nicht ohne ihn leben wollte. So kaufte ich einen Käfig und er sprang bereitwillig hinein. Nach einiger Zeit setzte ich mich zu ihm, dunkelte den Draht mit einem Handtuch ab und blickte ihn unablässig an, ich wollte seine Welt sein, so lieb und teuer war er mir geworden. Die Monate gingen ins Land und der Vogel hatte aufgehört zu singen, immer öfter knabberte er nun an seinen Gitterstäben. An einem unachtsamen Tag, ich ließ die Tür offen, entwischte er mir. Ich bin im Garten auf und ab gelaufen und habe sein Lied, unser Lied gepfiffen aber er kam nicht zurück. Damals brach mein Herz. Manchmal erwache ich davon das er auf meinem Fenstersims sitzt und singt, aber bevor ich ihn greifen kann ist er auch schon wieder unterwegs in fremde Länder. Viele Jahre sind vergangen und ich habe immer gepfiffen, jeden Tag. Inzwischen halte ich nichts mehr von Käfighaltung, habe dem Tier das auch gesagt, aber er glaubt mir nicht.  Du hast alle Käfige zerstört und ich muss nicht mehr pfeifen. Ich bin frei und mein Vogel auch, der nächste Wind aus Süden bringt ihn her, ich kann ihn schon hören und alles ist neu und auch nicht dank Dir.

                                                                  

                                                                                                                            

 

2.11.10 20:58
 


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